Der Bedarf an IT-Spezialisten ist groß, und in den vergangenen Jahren konnten immer Menschen in der Informationstechnik-Branche einen Job finden. Bemerkenswert ist allerdings, dass Frauen in der IT nur eine sehr geringe Rolle spielen und sich für diesen Beruf nur wenig interessieren.

An der Qualifikation liegt es nicht

Mehr als eine Millionen Menschen arbeiten derzeit in diesem Wirtschaftszweig, und durch die voranschreitende Digitalisierung wird der Bedarf in den kommenden Jahren deutlich weiter ansteigen. Schon jetzt können viele Unternehmen Stellen in der Informationstechnik nicht besetzen, weil die Bewerber fehlen. Für Berufseinsteiger bietet die IT-Branche daher allerbeste Zukunftsaussichten und attraktive Gehälter. Doch Frauen fühlten sich bislang von diesen Vorteilen nur wenig angesprochen. Fast schon traditionell machen sie einen Bogen um die Informatik, doch dabei bringen auch sie allerbeste Voraussetzungen mit, um in diesem Beruf erfolgreich zu sein. Haben Frauen ein Studium als Informatikerin abgeschlossen, sind sie in nicht weniger qualifiziert als ihre männlichen Kollegen und bringen im Berufsalltag die gleichen Leistungen. In den Unternehmen sind sie durchaus auch willkommen, weil bekannt ist, dass ein höherer Frauenanteil in einer Abteilung sich positiv auf die Kommunikation und die Kreativität auswirken kann. Frauen haben oft andere Herangehensweisen als Männer, die wie in vielen anderen Bereichen auch in der Informatik zu vielversprechenden Ergebnissen führen können.

Ein verschwindend geringer Anteil an Frauen in der IT

Der Anteil an Frauen in der deutschen IT-Branche ist momentan verschwindend gering. In neun von zehn IT-Abteilungen arbeitet keine einzige Frau, und dort wo Frauen in der IT tätig sind, gelten sie häufig als kleines Kuriosum. Lediglich 20 Prozent der IT-Studenten sind weiblich, und bei den Auszubildenden ist der Anteil mit 10 Prozent noch geringer. Wird eine IT-Stelle ausgeschrieben, dann sind 82,6 Prozent der Bewerber männlich.

Warum ist ein Informatikstudium für Frauen so uninteressant?

Der Grund, warum Frauen sich weniger für IT-Berufe als Männer interessieren, liegt oft schon in der Kindheit begründet. Dies ist jedenfalls das Ergebnis der CompTIA-Studie, die sich genau mit diesem Thema beschäftigt hat. Eine wichtige Schlussfolgerung der Studienverantwortlichen war, dass Jungen während ihrer Kindheit und Jugend viel öfter an Technik und Software herangeführt werden als Mädchen. Da Mädchen deutlich weniger Berührungspunkte mit beiden Dingen haben, sinkt auch ihr Interesse für diese Themen. In der Studie wurde ermittelt, dass 69 Prozent der dort befragten Frauen nicht wussten, welche Möglichkeiten, in der IT stecken und welche berufliche Perspektive sich für eine angehende Informatikerin bieten könnte. Zudem gab die Hälfte der Studienteilnehmerinnen an, dass sie der Meinung sei, dass ihre Fähigkeiten für solch einen Beruf nicht ausreichen würden.

Interessante IT Berufe für Frauen gibt es schon heute

Erschwerend, Frauen für einen Beruf als Informatikerin zu begeistern, ist die weit verbreitete Annahme, dass ein IT-ler fast ausnahmslos die Zeit bei seiner beruflichen Tätigkeit isoliert vor einem Computer verbringt. Fakt ist aber, dass dies zu eng gedacht ist. Sicherlich arbeiten Informatiker viel am Computer, aber sie nehmen auch an Meetings teil oder begeben sich auf Geschäftsreisen. Weitere Studien haben gezeigt, dass sich Frauen für IT-Berufe durchaus interessieren können, wenn sie die Informatik mit einem ihnen bekannten Fach kombinieren können. So liegt etwa der Anteil der Frauen in der Medizininformatik bei mehr als 40 Prozent, und auch in der Medieninformatik ist der Anteil an Studentinnen deutlich höher.

Mögliche Lösungsansätze für Frauen in der IT

Im Zeitalter des digitalen Wandels werden Unternehmen nicht mehr darum herumkommen, auf Frauen als Arbeitskräfte zu setzen. Alles andere würde den jetzt schon bestehenden Fachkräftemangel weiter verschärfen. Aber auch junge Frauen müssen umdenken und die IT-Branche als Chance begreifen. Während in vielen anderen Bereichen immer mehr Stellen abgebaut werden, wird die IT im Berufsleben zunehmend an Bedeutung gewinnen. Verschiedene Experten sind sich daher einig, dass IT Berufe für Frauen attraktiver präsentiert werden müssen. Sie schlagen beispielsweise vor, dass Unternehmen Marketing-Kampagnen aufsetzen müssen, in denen mit vielen gängigen Vorurteilen aufgeräumt wird. Eine Idee ist dabei, Frauen, die jetzt schon in der IT tätig sind, als Vorbilder aufzubauen. Eine wichtige Rolle kommt auch auf die Eltern und Schulen zu. Eltern – hier insbesondere auch die Väter – sind gefordert, Mädchen genau wie Jungen an moderne Technologien heranzuführen. Außerdem sollten sie ihrem Nachwuchs deutlich machen, welches Potential in einem IT-Beruf steckt. Gleiches gilt für die Schulen. Hier müssen die Lehrpläne angepasst und weiter auf die Themen Digitalisierung und Informatik ausgerichtet werden. Statt auf veraltete Bücher zu setzen, müssen Computer und Tablets auch als Lernmedien eine deutlich größere Rolle als bisher spielen. Anfänge könnten bereits in der Grundschule gemacht werden.

Ein Informatikstudium für Frauen ist keine Lösung

Ein spezielles Informatikstudium für Frauen einzuführen, finden die meisten Experten hingegen als wenig zielführend. Schließlich sind die Ausbildungsinhalte für Frauen genau die gleichen wie die für Männer, und der spätere Berufsalltag wird ebenfalls zusammen mit Männern bestritten werden. Neben der Werbung für die Arbeit in der IT sind Unternehmen zudem angehalten, auch in diesem Bereich Teilzeitstellen oder andere flexible Arbeitszeitmodelle anzubieten. Nicht zuletzt muss eine Gleichstellung bei der Bezahlung gesichert und Frauen speziell gefördert werden, in Führungspositionen aufsteigen zu können. Greifen all diese Maßnahmen, dann bestehen sehr gute Chancen, dass schon bald IT Berufe für Frauen immer attraktiver werden und sich der Anteil an weiblichen Fachkräften in den entsprechenden Betrieben deutlich erhöhen wird.

 

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